O-Ton von Dr. Kai Hünemörder zum 10. Wake up Call.

Auch im 10. Jahr haben wir vom EnergieBauZentrum und ZEWUmobil von dem Austausch von Theoretikern und Praktikern wieder sehr profitiert. Ein Höhepunkt waren für uns die klaren Worte von Dr. Harry Lehmann, dem langjährigen Leiter der Abteilung Nachhaltigkeitsstrategien im Umweltbundesamt (UBA). In seinem Vortrag „Wege in eine treibhausgasneutrale und ressourcenschonende Zukunft“ zeigte er auf, dass es immer noch möglich ist, die Klimaziele bis 2050 zu erreichen. In einer aktuellen Studie hat das UBA errechnen lassen: -95% Klimagasemissionen und -60% Ressourcennutzung sind in der Bundesrepublik drin. Als Beispiel im Verkehrssektor nannte Lehmann den möglichen Übergang über eine Überflussstrom- bzw. Wasserstoffumwandlung  anstelle des heutigen Kerosins (Power-to-liquid). Für mehr Recycling müssten freilich viele Produkte neu designt werden, um die Zerlegbarkeit nach Nutzungsende  zu ermöglichen. Für die Zeit nach 2050 dürfe das Thema negative CO2-Emissionen nicht tabuisiert werden. Hierzu gehören freilich auch weniger umstrittene Maßnahmen wie die verstärkte Anpflanzung von Wäldern, um CO2 zu binden.
Prof. Dr. Ralf Otterpohl eröffnete seinen Vortrag zum Thema „Das neue Dorf" mit dem provokanten Satz: „Särge muss man nicht heizen.“  Freilich verfiel er nicht Schwarzseherei, sondern er hob die Bedeutung bisher vernachlässigter Themen des Wandels hervor. So habe der Mensch laut des UN Millenium Ecosystem Report von 1950-1990 ein Drittel aller fruchtbaren Böden stark degradiert oder zerstört. Otterpohls nicht unumstrittener Lösungsansatz: Weg von der Agro-Chemie, hin zu Humusaufbau und neuem sozialen Miteinander in neuen Nachbarschaften. Umkehr der Über-Urbanisierung – zurück zum neuen Dorf.
In den Diskussionen des Tages wurde die Bedeutung des Ausbaus der Erneuerbaren Energien immer wieder betont. Wobei bei über 50% Erneuerbaren im Netz eine aktive Speicherpolitik betrieben werden müsse, um die Lasten zuverlässig zu bedienen. Hier kann Hamburg mit dem beschleunigten Einstieg in eine mit den Menschen zu entwickelnde Wasserstoffwirtschaft einiges leisten.   

Kai Hünemörder, Leiter des ZEWU